Stillstand ist Fortschritt
Normalerweise fürchtet die Industrie einen Anlagenstillstand wie der Teufel das Weihwasser. Denn Stillstand bedeutet Produktionsausfall, während die Kosten weiterlaufen, ist also ein Rückschritt. Doch manchmal ist Stillstand auch Fortschritt, zumindest seine Voraussetzung. Dann nämlich, wenn er der planmäßigen Revision dient. So zum Beispiel in der Petrochemie, wo die enormen chemischen, thermischen und mechanischen Belastungen durch die geförderten Medien den regelmäßigen Austausch aller Dichtungen erfordern – und zwar nicht erst, wenn es gar nicht mehr anders geht, sondern solange die Anlage im Sinne der TA Luft noch im grünen Bereich ist.
Dafür ist das exakte Zusammenspiel von Dichtungshersteller, dem Technischen Händler vor Ort, den Betriebsingenieuren und Technikern erforderlich, die den Stillstand planen und die Revision durchführen. Denn jeder Tag, den die Anlage früher anlaufen kann, bedeutet mehr Rendite. Da kommt es auf jede Minute an – und auf exzellenten Service Hand in Hand. Am besten ohne Bestell-, Transport- und Wegezeiten. Aber auch ohne Magazin-kosten für die Industrie. So wie beim Dichtungscontainer der Technischen Großhandlung P.J. Schulz aus Köln-Rath.
„Service-Provider“ vor Ort
Das war auch 2005 die Idee der Technischen Großhandlung P.J. Schulz in Köln. Denn Köln ist einer der großen Petrochemiestandorte in Deutschland, und so gehört auch INEOS in Köln zu den Kunden des Unternehmens. Bei INEOS kommt es in Zyklen von zwei bis fünf Jahren zu Großrevisionen, und die sind für alle Beteiligten jeweils eine logistische und technische Herausforderung der Extraklasse. Um diesen besonderen Herausforderungen zu genügen, richtet P.J. Schulz an den jeweiligen Standorten bei Abstellungen einen Dichtungscontainer ein, der dann als Außenstelle fungiert. Während des Zeitraums der Revision (3 bis 12 Wochen) stehen dann die Service-Techniker von P.J. Schulz permanent als Ansprechpartner zur Verfügung, unterstützt von den sieben Vertriebs- und den vier Produktionsmitarbeitern der Abteilung Dichtungstechnik in Köln-Rath.
Kurze Wege
Im Container wurde in Zusammenarbeit mit Frenzelit ein Lager mit den benötigten Dichtungsplatten und mit gestanzten Dichtungen in Standardformaten und -qualitäten eingerichtet, von Weichstoff- bis zu spiralgewickelten Dichtungen, die der jeweiligen Spezifikation entsprechen. Gleichzeitig wurde im Container eine Fertigungs-möglichkeit für den ad-hoc-Bedarf installiert. Somit können die meisten Dichtungsformen bzw. Dichtungsqualitäten nach Maß oder Muster gleich an Ort und Stelle hergestellt werden. Was im Container technisch nicht möglich ist, wird dann unmittelbar im Stanzbetrieb von P.J. Schulz gefertigt und im Pendelverkehr an den jeweiligen Standort gebracht. Voraussetzung war, dass das Frenzelit-Material vor dem ersten gemeinsamen Stillstand 2005 in die Werknormen aufgenommen wurde, nachdem die Prüf- und Entwicklungsabteilung in Bad Berneck in umfangreichen Tests die geforderten Beständigkeiten nachgewiesen hat. Im Vorfeld der Anlagenabstellung wurde mit dem INEOS-Stillstands-Chefplaner Dr. Christof Riewenherm (sein Nachfolger ist nun Knut Kämmerer) die planmäßige Lagerbestückung abgestimmt, um ein Höchstmaß an Verfügbarkeit herzustellen.
Hohe Anforderungen
Anforderungen an praktisch alle Dichtungen – unabhängig vom Durchmesser der Dichtung – waren eine
• hohe Nenndruckbelastbarkeit bis 140 bar
• hohe Temperaturbeständigkeit bis 500 °C
• umfassende Medienbeständigkeit, auch für Heißöle
• Zertifizierung nach TA Luft.
Schätzt schnelle Verfügbarkeit und umfassendes
Spektrum aus einer Hand: Dr. Christof Riewenherm
im Gespräch mit Erwin Horn und Wolfgang Schulz (v.l.n.r.).
Ganz gleich, welche Dichtung man Erwin Horn
zeigt – der Profi (er)kennt den Typ.
Frenzelit-Innovationen lösen Probleme
der (Petro-)Chemie-Industrie:
Peter Boll und Wolfgang Schulz.
Bei Dichtungsempfehlungen greift P.J. Schulz regelmäßig auf die Software novaDISC von Frenzelit zurück, die Datenbank, in der mittlerweile mehr als 1.300 Medien hinterlegt sind. P.J. Schulz- und Frenzelit-Spezialisten erstellten als Berater Dichtungshandbücher. Es zeigte sich, dass das Leistungsprofil der novaphit® SSTCTA-L, der ersten universell einsetzbaren Weichstoff-Flachdichtung aus Graphit, die sämtliche Kriterien der TA Luft-Kriterien erfüllen konnte, bei INEOS 80 % aller Anwendungsfälle als Standard abdeckt.
Bei einem Industrieareal, das zwischen dem Rhein, Wohngebieten, Äckern (landwirtschaftlichen Nutzflächen) und Naherholungsgebieten liegt, sind die Anforderungen der TA Luft nicht nur ein abstraktes Gesetz, sondern eine Notwendigkeit, die auf der Hand liegt. Und bei einem Unternehmen mit rund 2000 Mitarbeitern (+ 500 bei einer Großrevision) gilt das Gleiche für die Betriebssicherheitsverordnung. INEOS als Unternehmen, das den Umweltschutz ebenso hochhält wie die Mitarbeitersicherheit, tauscht in Revisionsstillständen unter anderem Dichtungen aus, so dass Leckagerisiken ausgeschlossen werden können. Dafür werden dann – Beispiel Fünfjahresrevision der Ammoniakanlage – rund 500 Handarmaturen und ca. 270 Sicherheitsventile geprüft und rund 5000 Flanschdichtungen ausgetauscht. Schließlich kann man bei der Umsetzung der TA Luft und der BetrSichVO kein Risiko eingehen. Die Revisionszyklen sind daher so zu bemessen, dass Dichtungen nicht bis an ihre Grenzen „gefahren“, sondern ausgetauscht werden, solange sie noch im grünen Bereich sind. Frenzelit und P.J. Schulz leisten ihren Beitrag, dass die gute Absicht auch zu wirtschaftlichen Bedingungen zu realisieren ist.Frenzelit-Leistungsprofil
Dichtungen und Dichtungsmaterialien
Durch ein umfassendes, in langjähriger Geschichte angeeignetes Know-how, gepaart mit verfahrenstechnischer Kompetenz, setzt Frenzelit neue Maßstäbe im Bereich neuer Dichtungswerkstoffe. Mit novaphit®, der Dichtungsgeneration aus streckmetallverstärktem Reingraphit, der Hochtemperaturdichtung novaMICA® THERMEX, dem Werkstoffkonzept novatec® – „Engineered graphite with Kevlar® (ein eingetragenes Warenzeichen von DuPont)“, dem Hochdruckdichtungsmaterial novapress®, den PTFE-Dichtungen novaflon® und mit den Metall-, Dispenser- und Siebdruckdichtungen novaform® bietet Frenzelit ein abgerundetes Dichtungsprogramm.Technische Textilien
Kompetenz in der Entwicklung und Verarbeitung hochtemperaturbeständiger Fasern, kombiniert mit jahrzehntelanger Erfahrung, hat Frenzelit zu einem führenden Hersteller Technischer Textilien gemacht. Diverse Produktlinien wie isoGLAS®, isoTHERM®, novaTEX®, novaSEAL® mit unterschiedlichen Temperatur-Grenzwerten bis 1200°C bestimmen den Produktbereich an dichtenden und isolierenden Werkstoffen.Kompensatoren
Mehr als 40 Jahre Erfahrung stehen hinter der Fertigung unserer Gewebe- und Elastomer-Kompensatoren für Energietechnik und Anlagenbau. Bedingt durch höchste Anforderungen im Ein-satz kommen ausschließlich hochwertigste Spezialgewebe aus Glas-, Silikat- oder Aramidfasern aus eigener Fertigung sowie die erforderlichen Beschichtungen zum Einsatz. PTFE-Verbundmaterial- sowie PTFE-, Gummi- und Stahlkompensatoren runden das Produktangebot ab.Isolationen
Das Isolationsprogramm umfasst sowohl thermische Isolationen wie Gewebe, Gewebebänder, Vliese aus den Produktlinien isoGLAS® und isoTHERM® als auch isoplan®-Isolationsplatten und Spezialqualitäten für Transportwalzen für Hochtemperaturanwendungen, novaplan®-Hitzeschildmaterialien sowie Kissen für akustische Isolation.Neue Materialien
Unter dem Namen HICOTEC® entwickelt und produziert Frenzelit eine Gruppe von Hochleistungsvliesen. Diese Werkstoffe basieren auf der Verwendung von Hochleistungsfasern wie z.B. Carbonfasern. In den Eigenschaften sind sie weder den Technischen Textilien noch den Hochleistungspapieren zuzuordnen. Es sind „Neue Materialien“ für neue Anwendungsfelder.Frenzelit: „creating hightech solutions“
Innovationen von heute für die Welt von morgen
Die Frenzelit-Werke GmbH & Co. KG entwickeln, produzieren und vertreiben Hochdruckdichtungen und -dichtungsmaterialien, Technische Textilien für Isolation, Dichtung und Filtration sowie Kompensatoren für den Anlagenbau. Rund 400 Mitarbeiter arbeiten in den Betriebsstätten Frankenhammer und Himmelkron. Tochtergesellschaften und Vertriebsbüros in USA, Russland, Tschechien, China und Indien belegen, dass der oberfränkische Mittelständler global präsent ist. Geschäftsführender Gesellschafter ist Dr. Wolfgang Wagner. Frenzelit wurde 1881 gegründet. Das Unternehmen ist nach ISO 14001:2004 (Umweltmanagement) zertifiziert, qualitätszertifiziert sind die Geschäftsbereiche Dichtungen und Technische Textilien nach ISO/TS 16949:2009, die Bereiche Dichtungen und Kompensatoren nach ISO 9001:2008.
Vorteile auf einen Blick
• Bei INEOS in den meisten Fällen die Lösung: novaphit® SSTCTA-L von Frenzelit.
• hochwertige Dichtung im Sinne der TA Luft/VDI 2440 ausblassicher auch ohne Innenbördel
• geht keine Verbindung mit Glas und Keramik ein
• sehr gute Anti-Stick-Eigenschaften
• kostengünstige Montage
• Fertigung aus lagerndem Plattenmaterial, daher extrem kurze Verfügbarkeit
• dichtet zuverlässig Gase und Flüssigkeiten
• hervorragendes Microsealing
• chemisch beständig gegen fast alle Medien
• hervorragende Beständigkeit gegen Temperaturschwankungen
• kein Gesundheitsrisiko
• physikalisch unbedenklich
• unbegrenzte Lagerfähigkeit

Leckagemessdiagramm am Beispiel novaphit® SSTCTA-L.
INEOS in KÖLN
INEOS wurde 1998 gegründet und ist das drittgrößte Chemieunternehmen der Welt. 15500 Beschäftigte in 17 Geschäftsbereichen erwirtschaften pro Jahr einen Umsatz von 47 Milliarden US-Dollar. INEOS in Köln ist das größte Chemieunternehmen und der drittgrößte industrielle Arbeitgeber in Köln. Mit 2200 Beschäftigten in sechs Geschäftsbereichen und einem Jahresumsatz von 2,6 Milliarden Euro ist INEOS in Köln das Flaggschiff der INEOS-Gruppe.

Frenzelit hält dicht: Petrochemische Anlagen
der INEOS in Köln (Bildnachweis: INEOS).

Revision: Jede Flanschdichtung ist auszutauschen.
Gerne erhalten Sie von uns detaillierte Informationen zu diesem Thema.


























